Nichts zum Austoben

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Eisstockschießen: Ohne Ruhe, Konzentration, Kraft und Geselligkeit geht nichts – Eisstock kostet mindestens 600 DM

MAINZLAR. Die Sommersaison ist so gut wie gelaufen. Die Tennisplätze werden eingemottet, die Kicker dürfen sich bald wieder dick anziehen und die Inline-Skater können die Rollen gegen Kufen eintauschen. Ein Wintersport, der dafür in jeder Jahreszeit Spaß macht und gesellig ist, wartet noch auf seine Entdeckung: Das Eisstockschießen.

Einstiegsalter
„Die Jugend kann man nicht unbedingt mit Eisstockschießen gewinnen“, meint Wilfried Laucht. Damit will der Leiter der Abteilung Eisstock des TV Mainzlar sagen: Eisstockschießen ist kein Sport, um sich auszutoben. Der jüngste Mitspieler in einer der beiden TV-Mannschaften, die in der Ober- und Landesliga spielen, hat die 30 gerade überschritten. „Das geht aber auch rauf bis Mitte 60“, fügt Laucht hinzu. Während der Mainzlarer Stadtmeisterschaften, bei denen alle Vereine teilnehmen können, seien aber auch wesentlich Jüngere am Start. Grundsätzlich gilt: „Eisstockschießen kann in jedem Alter betrieben werden, solange man den Stock noch tragen kann.“

Vereinbeitrag
Ein Mitglied beim TV Mainzlar zahlt jährlich 96 Mark. Um sich der Abteilung Eisstock anzuschließen, müssen aber wegen des teuren Trainingsareals einmalig 100 Mark Aufnahmegebühr aufgebracht werden. Erst kürzlich hat der Verein von einer Spezialfirma eine Asphaltbahn bauen lassen. Training ist donnerstags ab 19 Uhr für die aktiven Mannschaften und sonntags ab 10 Uhr für Hobbyspieler. Der Verein ist allerdings flexibel, wie Laucht betont: „Auf Wunsch können wir aber auch jederzeit in der Woche ein Sondertraining abhalten.“ Zwei- bis dreimal im Jahr fahren die Mannschaften zu Turnieren. „Die Kosten übernehmen wir selbst, weil das ja unser Hobby ist“, erklärte der begeisterte Eisstockschütze.

Ausrüstung
„So teuer kann das doch nicht sein!“, könnte man meinen. Will der Anfänger auch aufs Eis, stimmt das allerdings nicht ganz. Dann braucht es nämlich auch warme Kleidung. Und auch das Sportgerät ist nicht gerade das was die Bezeichnung günstig verdient. Dafür hält es aber auch ein Sportlerleben lang. Der Stock besteht aus einem Körper, einem Stiel und vier bis fünf Laufplatten, mit denen die Geschwindigkeiten reguliert werden. Ein etwa 3,9 Kilogramm schwerer Körper schlägt mit 280 bis 300 Mark zu Buche. Für den Stiel müssen zwischen 80 und 100 Mark aufgebracht werden. Jede Laufplatte kostet ungefähr 50 Mark. „Wer den Sport aber auch auf dem Eis und nicht nur auf unserer Asphaltbahn oder der Gummimatte spielen will, sollte in einen Anorak, Thermohosen und spezielle Schuhe investieren“, empfiehlt Wilfried Laucht. Kostenintensiv ist vor allem das Schuhwerk, das wegen seiner präparierten Sohlen bis zu 280 Mark kosten kann. Für Anfänger hat der TV Mainzlar aber auch einige Stöcke im Regal, „um sich“, so Laucht, „einmal auszuprobieren“.

Persönliche Voraussetzungen
„Der besondere Reiz am Eisstockschießen ist das gesamte Spiel – da geht es um Zentimeter.“ Ruhe, Konzentration und Kraft sind nach Wilfried Laucht drei der wichtigsten Eigenschaften, die für diese Disziplin unerlässlich sind. Kraft um den Gegner auch einmal wegzuschießen, Ruhe und Konzentration wegen der Präzision, die gebraucht wird, um an die Daube möglichst nah heranzukommen. Dabei handelt es sich um einen Hartgummiring mit zehn Zentimetern Durchmesser, der auf der Spielfläche in einem Kreuz platziert wird. Das Spielfeld ist 28 Meter lang und drei Meter breit. „Gespielt wird dreimal rauf und dreimal runter“, erklärte Laucht. Die Daube wird in dem sechs mal drei Meter großen Spielfeld platziert – dann kann es losgehen. Vier Spieler pro Mannschaft treten gegen eine andere Mannschaft an. Wer am nächsten an der Daube liegt, erhält drei Punkte, der Rest zwei.
Unerlässlich sei allerdings die Lust auf Geselligkeit, die Interessierte mitbringen sollten, wie etwa auch zu einem Kegelabend. „Wir spielen auch bei minus zehn Grad. Dann gibt es eben zwichendurch einmal einen Glühwein“, sagt Wilfried Laucht.

Von Oliver Keßner (21.Oktober 2000)